Maedchenmorde [8.11.14] by Alison Littlewood

Maedchenmorde [8.11.14] by Alison Littlewood

Autor:Alison Littlewood [Littlewood, Alison]
Die sprache: deu
Format: epub
Tags: Thriller
Herausgeber: Lübbe
veröffentlicht: 2014-10-07T22:00:00+00:00


Kapitel 23

Alice stand an der Tür, beobachtete, wie die Polizistin den Weg hinabging, und lauschte den leiser werdenden Schritten. Sie blieb stehen, und nach einer Weile wurde ihr klar, dass sie einem anderen Geräusch lauschte, höher und eindringlicher – irgendwo ein Stück entfernt zwitscherte ein Vogel.

Sie ging durch das Haus, bahnte sich einen Weg zur Hintertür, öffnete sie und trat in den Garten. Narzissen schimmerten im sanften Licht. Überall blühten neue Blumen, zeichneten sich als farbige Tupfen ab. Dann fiel ihr ein anderer Farbton ins Auge, ein strahlend blaues Aufblitzen, das im Apfelbaum von Ast zu Ast huschte: Der blaue Vogel war zu ihr zurückgekehrt. Alice starrte hin. Sie verspürte eine seltsame Befriedigung und noch etwas: Besitzansprüche.

Alice lächelte bei sich. Sie sollte etwas Praktisches für das Geschöpf tun, vielleicht etwas zu essen herauslegen, statt nur herumzustehen und es zu beobachten, aber mittlerweile sang es mit großer Inbrunst, streckte die kleine Brust vor und tschilpte aus Leibeskräften. Es brauchte Alice nicht, es war etwas Gesundes und Freies, das ihr seine Gegenwart bereitwillig schenkte.

Alice schüttelte den Kopf. Sie war nicht Alice im Wunderland, befand sich nicht in einem Märchen; sie war nur Alice, und sie gehörte in die reale Welt. Sie hatte Aufgaben zu erledigen, musste Aufsätze benoten, lesen, den Abwasch machen.

Alice ging hinein, schloss die Tür und stellte fest, dass sich dadurch das Lied des blauen Vogels nicht aussperren ließ; es war ihr schrill und eindringlich ins Haus gefolgt. Unterbewusst wanderte ihre Hand zu ihrer Tasche. Sie fand darin etwas, so glatt wie Glas und so rau wie eine Katzenzunge, je nachdem, auf welche Weise man es berührte: die blaue Feder, die der Vogel für sie zurückgelassen hatte. Alice hatte sie ständig dabeigehabt, im Wald und bei all den Dingen, die sie gesehen hatte. Sie hatte stets in der Tasche des jeweiligen Kleidungsstücks gesteckt, das zu tragen sie entschied; etwas Magisches, das immer in ihrer Nähe blieb. Doch als sie wieder aus dem Fenster spähte, war der Vogel selbst bereits davongeflogen.



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